Für die Kirche kommen alle

Ein Konzert, das alle begeisterte – die Veranstalter wegen der überwältigenden Besucherzahl, das Publikum wegen des dargebotenen Musikprogramms. | Foto: sandra decoux-kone
KIPPENHEIM. Die Mitglieder des Ältestenrates der evangelischen Kirchengemeinde waren überwältigt: Der Einladung zum Benefizkonzert für die Innenrenovierung der evangelischen Friedenskirche sind am Sonntagabend so viele Besucher gefolgt, dass selbst die eilends zusätzlich herbeigeschafften Stühle nicht ausreichten, um allen einen Sitzplatz zu bieten.

„Damit hatte keiner gerechnet, zeigt es aber doch, dass die Kirche vielen am Herzen liegt“, sagte Pfarrerin Ute Braun. Die Gründung der Kirche, die eine Sehenswürdigkeit darstellt, lässt sich nicht genau festlegen. Funde lassen darauf schließen, dass mit der Gründung Kippenheims durch den fränkischen Fürsten Chippo 763 n. Chr. bereits eine kleine Kirche auf Resten eines römischen Gebäudes errichtet wurde; andere Teile der Kirche waren romanischen Ursprungs. Die heutige Kirche, Anfang des 18. Jahrhunderts durch ein Feuer zerstört und wieder aufgebaut, stammt aus der Zeit um 1500. Drei Jahre nach dem dreißigjährigen Krieg (1651) wurde die Kirche Gotteshaus für beide Konfessionen. Mit dem Bau einer neuen katholischen Kirche endete 1961 das Simultanverhältnis. Danach wurde die Friedenskirche innen und außen gründlich renoviert, jetzt steht erneut eine Innenrenovierung an. Geplant sind ein neuer Innenanstrich, ein Behinderten-WC, ein stufenloser Eingang und die Verbesserung der Mikrofonanlage und Lichtverhältnisse. Die Liste der Wünsche ist lang; sollten alle umgesetzt werden, würden geschätzte Kosten von 460 000 Euro anfallen, so die Pfarrerin. Bis in einem Jahr erwartete Zuschüsse vom Kirchenbauamt fließen und mit den Arbeiten dann auch begonnen werden könnte, setzen die Verantwortlichen alles daran, zur Finanzierung beizutragen. Das Benefizkonzert war ein erster Schritt dazu.

Alphornbläser setzen besondere Akzente

Geboten wurde Musik aus alter und neuer Zeit, aus verschiedenen Epochen und Volksgruppen. Mitwirkende waren der Posaunenchor, der evangelische Kirchenchor, die Alphornbläser Edelweiß aus Schweighausen, Hermann Feist an Orgel und Klavier sowie die gebürtige Kippenheimerin Christiane Ascheberg an der Oboe. Den Auftakt bildete der Posaunenchor (Leitung Werner Siefert) mit der Sonate in Es-Dur von Vivaldi. Später präsentierten die Bläser neben dem Choral „Jauchzet dem Herrn“ von Mendelsohn-Bartholdy das moderne Stück „Friends for Life“ von Dizzy Stratford. In die Zeit des Barocks mit seinen Tänzen führte die Sonate in G-Moll für Oboe und Basso Continuo von Johann Weiss, brillant Christiane Ascheberg an der Oboe und Hermann Feist am Klavier. Der Kirchenchor (Leitung Hans Zimmermann) sang „Ehre und Preis sei Gott dem Herrn“ von Bach und ein israelisches Volkslied.

Akzente setzten die Alphornbläser. Im Kyrie und Sanctus aus der Allgäuer Messe war die emotionale Kraft der volkstümlichen Kirchenmusik zu spüren, wie es Ansager Günter Friese formulierte. Nicht weniger beeindruckend war die Fanfare des Bücheltrios der Alphornbläser: Die Büchel ist ein mehrfach gebogenes Holzinstrument, es gleicht einer großen Trompete. Der vom Kirchenchor gesungene Gospel aus Botswana „Sana Sananina“ in a capella mit Percussion überzeugte mit einer rhythmischen Struktur und effektvollen Harmonie. Nach dem gemeinsamen „Friedensruf“ der Alphornbläser und dem Chor beschlossen der verbale Segen von Pfarrerin Braun und der musikalische aus dem Schlussgesang der Allgäuer Messe ein Konzert, das die Zuhörer mit lang anhaltendem Applaus dankten.

Quelle: Badische Zeitung

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