Wie die Trompeten von Jericho

Der Chor beim Spielen
Stromlinien: eine verwirrende Fülle von Instrumenten beim Konzert in Allmannsweier (FOTO: HEIDI FÖSSEL)
Die Kirchenmauern wurden erschüttert: Das Abschlusskonzert des Bezirksbläserseminars erfüllte die hohen Erwartungen

Von der BZ Mitarbeiterin Ulrike Le Bras

SCHWANAU-OTTENHEIM. Beim Abschlusskonzert des Bezirksbläserseminars wurden die Ohren der Zuhörer so richtig durchgeblasen. Denn so manches Stück am Sonntagabend in der evangelischen Kirche von Allmannsweier gehörte nicht in die Rubrik „Das geht runter wie Öl“ , sondern war bisweilen ganz schön schräg, mit Ecken und Kanten, swingend, poppig und kam mitunter sogar rockig daher.

Schnell war die Kirche voll besetzt. Wer noch sitzen wollte, musste auf die Empore ausweichen, die sich auch rasch füllte. Volles Haus also für eine Veranstaltung, die im Ried und darüber hinaus seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des November-Kulturprogramms ist.

Vorzeiten noch unter dem Taktstock von Ludwig Pfatteicher, heute unter der Regie von Landes-Posaunenwart Heiko Petersen mit Traugott Fünfgeld an der Orgel sowie den Solointerpreten Thomas Neuberth (Trompete) und Joachim Osswald (Posaune), standen und stehen diese Abschlusskonzerte immer für anspruchsvolle Kirchenmusik zum Ende des Kirchenjahres.

Den Trompeten von Jericho gleich, die die Stadtmauern zum Einstürzen brachten, war die „Eröffnungsmusik“ von Dieter Wendel. Die Vibrationen waren jedenfalls auch ohne Verstärkeranlagen bis in die obersten Sitzreihen der Empore zu spüren. „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy füllte als erstes traditionelles Bläserstück des Programms feierlich-getragen den Kirchenraum. Gefolgt von der „Sonate f-moll“ von Telemann, interpretiert von Soloposaune und Orgel. In schöner Ausgewogenheit malten dann Trompeten den Zuhörern musikalische „Ländliche Bilder“ . In der Liturgie griff Pfarrerin Malter das Thema „Jauchzet dem Herrn“ auf und las den gleichlautenden Psalm 100.
Das „Konzert für Trompete und Orgel“ von Joseph Haydn und die „Abendglocken“ von Franz Abt, sowie „Variation in Swing“ schlossen den ersten Teil des Programms ab.

Im Anschluss konnte wieder flott-moderne Bläsermusik genossen werden. Nachdem Traugott Fünfgeld an der Orgel seine Komposition „Kommt mit Gaben und Lobgesang“ intoniert hatte, durften die Jungbläser in die zur den Instrumenten greifen. Zunächst spielten sie mit den Altbläsern einen „Groove VII“ , dann allein einen „Chacha“ . Das war den Zuhörern den ersten Zwischenapplaus des Abends wert.

Schließlich standen zwei Stücke von Friedrich Heinrich Kern auf dem Programm. Die folgende „Introduction“ schien wie abgestimmt auf den vorhergehenden Text über die Auferweckung des Lazarus: für den (unwahrscheinlichen) Fall, dass der eine oder andere in den Schlaf abgerutscht sein sollte, weckte ihn der Chor auf: Gewaltig, poppig bis rockig ging es über ein schräges Finale zum nächsten Gemeindelied, das als Lied zum Deutschen evangelischen Posaunentag in Leipzig ausgewählt wurde: „Halt doch mal ein im Eilen durch die Tage…“ . Besser konnte man die Besucher nicht auf den Weg in die Adventszeit schicken. Übrigens: Der Texter dieses Liedes, Wilhelm von Ascheraden, weilte an diesem Abend in der Kirche Allmannsweier. Den Schlusspunkt setzte Johann Sebastian Bach: „So sei nun Seele, deine…“ und als Zugabe das „Gloria sei dir gesungen“ .

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