„Wir sind mächtig stolz, so einen Chor zu haben“

Im Gottesdienst am Sonntagvormittag ist das 60-jährige Bestehen des Kippenheimer Posaunenchors gefeiert worden.

KIPPENHEIM (ib). Wie oft der Posaunenchor das Weihnachtslied „Macht hoch die Tür“ gespielt hat, konnte Theo Frey nicht sagen. Dafür bescheinigte der Pfarrer im Ruhestand dem Chor, „dass er dem treu geblieben ist, wie es im Juli 1951 in der Kirche geheißen hat: Der Posaunenchor hat sein Wirken ganz in den Dienst des Herrn und der Erbauung seiner Gemeinde gestellt.“ Frey sprach seinen Dank am Sonntagvormittag im Gottesdienst in der evangelischen Kirche aus, mit dem das 60-jährige Bestehen des Chors gefeiert wurde. „Ihr erfüllt uns mit Freude.“

Getreu dem Motto „Soli Deo Gloria“ (nur allein dem Herrn zur Ehre) spielen die 25 Mitglieder nicht nur in der evangelischen Kirche bei Gottesdiensten und religiösen Festen, zu hören sind sie auch bei Veranstaltungen von Vereinen, des evangelischen Kindergartens und in der katholischen Kirche. Erst kürzlich spielten sie wieder zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts.

Auf individuelle Ehrungen habe man im Jubiläumsgottesdienst ganz bewusst verzichtet, sagte Andreas Beinroth. Statt dessen stellte er mit Eva Preschle, Helena Stulz und Emil Obert drei Jugendliche vor, die erst kürzlich ihre Ausbildung abgeschlossen hatten. Die Ausbildung der Jungbläser wird seit etwa fünf Jahren nicht mehr von älteren Musikern übernommen, sie findet nun bei professionellen Ausbildern wie zum Beispiel dem ausgebildeten Posaunisten Michael Fünfgeld auf Bezirksebene statt.

„Wir sind mächtig froh und stolz darauf, diesen Chor zu haben“, stellte nicht nur der Kirchengemeindevorsitzende Hans Schillinger fest. Auch Bürgermeister Matthias Gutbrod fand, dass der Posaunenchor den Gottesdienst bereichere. „Glücklich sein kann man, solch einen Chor zu haben“, sagte Landesposaunenwart Heiko Petersen von der Landesarbeit der evangelischen Posaunenarbeit auf Bezirksebene. Petersen lobte die gute Mischung des Chors von jung und alt und bemerkte mit einem Blick auf die „kräftigen Männer, dass die auch etwas anpacken, wenn es etwas zu richten gibt“.

Petersen hatte am Sonntag auch den Dirigentenstab übernommen, der eigentliche Dirigent Werner Siefert saß in den Reihen der Musiker, die auch von Reiner Knoll an der Orgel unterstützt wurden. Siefert, der den Posaunenchor seit 23 Jahren als Dirigent leitet, betonte die sehr gute Zusammenarbeit der Kippenheimer Bläser auch auf Bezirks- und Landesebene. Dort kümmere man sich nicht nur um die Ausbildung der Jugend, auch Erwachsene bildeten sich regelmäßig fort. Zum Jubiläum haben sich die Mitglieder des Posaunenchors nicht nur ein Geburtstagsständchen und Gäste gegönnt, sie haben auch tief in die Kasse gegriffen und einen vierstelligen Betrag für eine Tuba ausgegeben. Das große Instrument spielt nun Andreas Stulz, „der rein physisch den schwersten Part hat“, schmunzelte Werner Siefert.

Er hatte vorher auch an die bescheidenen Anfänge des Posaunenchors erinnert, den Pfarrer Henschke und Fondrechner Ewald Busse initiiert hatten. Instrumente konnten nur nach und nach dank der Spenden und Kollekten gekauft werden, Mitglieder trugen in Raten ihr Scherflein dazu bei. Ein knappes Jahr lang sollte es dauern, bis aus einem gemeinsamen Musizieren und Üben von Busse und Henschke der erste Auftritt von acht Bläsern als Posaunenchor am 29. Juli 1951 wurde. Jede Stimme war mit zwei Instrumenten besetzt. 1955 zählte der Chor bereits 13 Bläser und drei Jungbläser.

Nach wie vor ist nicht nur die Musik im gemeinsamen Chorleben wichtig. So gehören zum geselligen Leben der Posaunenchorfamilie, wie es Chorleiter Werner Siefert formulierte, auch eigene Gemeindeabende mit Sketchen, Theater und Musik, die jährliche Freizeit, seit 1952 das Osterchoralblasen mit Frühstück und seit 1969 regelmäßige Besuche bei den Freunden in Tränheim.

 

Badische Zeitung. 07.12.2011