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Zum Lobpreis Gottes

Pfarrerin Henriette Gilbert verabschiedet Werner Siefert, der den Posaunenchor 27 Jahre lang geleitet hat. Foto: Sandra Decoux-Kone
Pfarrerin Henriette Gilbert verabschiedet Werner Siefert, der den Posaunenchor 27 Jahre lang geleitet hat. Foto: Sandra Decoux-Kone

Werner Siefert hat die Leitung des Kippenheimer Posaunenchors an Andreas Beinroth übergeben.

KIPPENHEIM. Die Posaunen und Trompeten erschallen zum Lobpreis Gottes in der evangelischen Friedenskirche in Kippenheim unter neuer Führung. Der langjährige Dirigent des Posaunenchors, Werner Siefert, hat sein Amt in diesem Rahmen an seinen Nachfolger Andreas Beinroth übergeben.
Ein feierlicher Gottesdienst anlässlich des Reformationsfests zum Gedenken an Martin Luther bildete einen würdigen Rahmen für die Verabschiedung des alten und die Einführung des neuen Dirigenten. Es sei ein Wechsel ohne Vakuum, der Kirche bleibe ein geordneter Klang erhalten, die Posaunen und Trompeten erzählten vom Sieg Gottes und würden uns in die offenen Arme Gottes blasen, betonte Pfarrerin Henriette Gilbert.

In Erinnerung an das Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“ von Martin Luther schlug sie einen Bogen zu dessen Wirken. Denn eben dieses „Siegeslied“ hätten die Posaunen und Trompeten vor nahezu 500 Jahren nach hartem konfessionellem Kampf hinausposaunt. Es ist laut Gilbert zur Nationalhymne der evangelischen Kirche geworden. Die Burg wandle sich in eine Fluchtburg, sie biete Schutz vor Feinden, denn Gott öffne die Türen aus Gnade. Die Posaunen machten dieses Lied stark, mit ihrem Klang des Friedens führten sie aus der Fluchtburg hin zu Jesus Christus.

Den Dienst zur Stärkung der Posaunen hat Werner Siefert 27 Jahre innegehabt. Er habe ihn immer als Dienst an Gott und den Menschen verstanden. Die Posaunenchormitglieder habe er nicht nur musikalisch, sondern auch geistlich geleitet, nie ging man ohne Gebet aus den Proben, sagte Gilbert. In seiner Abschiedsrede erinnerte Siefert nicht ohne Rührung an die verschiedenen Jubiläen, die er mit seinen Bläsern gefeiert habe, an viele Auftritte und gesellige Veranstaltungen sowie an das gute Miteinander mit der katholischen Pfarrgemeinde. Einen großen Stellenwert habe für ihn das gute Miteinander mit anderen Kirchenmusikern gehabt.

Dank der Pfarrerin

Sein Nachfolger Beinroth kann auf einem guten Potential aufbauen. Ihm galt der Dank der Pfarrerin für die Bereitschaft, den Dienst zu übernehmen. Den Chormitgliedern ist er kein Unbekannter, bisher spielte er als Trompeter mit. „Mit ihm verlieren wir einen der besten Trompeter“, sagte Siefert, der sich dafür als Posaunist in das Ensemble einreihen will. Siefert übergab Beinroth die Chronik des Posaunenchors samt Gründungsdokument aus dem Jahr 1951.

Eine Kanalfahrt die ist lustig

Kirchenschiff Wichern
Das Kirchenschiff Wichern mit der PC Kippenheim Besetzung

Das Kirchenschiff von der Rückansicht mit Bläser des PC Kippenheim. Der Posaunenchor Kippenheim wurde vom Schiffspfarrer des Kirchenschiffes „Wichern“ (Heimathafen Kehl) zu einer Schiffsfahrt durch einen kleinen Teil des schönen Elsasses (Seeweg Richtung Saverne) eingeladen, als Dankeschön für weihnachtlich musikalische Begleitungen.
Die Idee für diese Tour entstand beim weihnachtlichen Blasen, und wurde am Sonntag, den 12. August ´01 in die Tat umgesetzt. Wir trafen uns in der Frühe am vorher besprochenen Treffpunkt, und los ging´s zur „feuchtfröhlichen“ Tour. Wie immer in unserem Posaunenchor trug jeder etwas zum leiblichen Wohl bei, und somit herrschte in nichts Mangel. Mal davon abgesehen, dass unser Chor auch während der Schiffstour musikalisch sein Bestes gab, war wohl der Clou, dass der Schiffspfarrer, welcher zugleich auch der Kapitän – der Seemann – der Maschinist – einfach alles in allem war, uns alle ans Steuer ließ. Manch einer dachte da wohl er müsse Captain Drake spielen und ein Schiff kapern – doch aus der Traum – gerammt wurde kein Schiff sondern nur eine Leiplanken ähnliche Kanalverengung. Nichts war `s mit der Piraterie. An einer Schleuse ging auf einmal gar nichts mehr. Ein Stock hatte sich zwischen die Hydraulik des Schleusentores geklemmt, und uns somit an der Weiterfahrt hartnäckig gehindert. Neptuns Dreizack wäre einfacher zu entfernen gewesen. Doch wozu haben wir „starke 19 und schlaue“ Männer. Mit List und Tücke haben wir die Hydraulik überrumpelt und die Fahrt konnte weitergehen. Danach waren alle hungrig und stärkten uns in einem Lokal mit einer „Elsässischen Spezialität“ des Hauses.
Gut gelaunt ging es Richtung Heimat. Alles in allem war es ein Tag, den man bei dieser bezaubernden Landschaft, dem sonnigen Wetter, den tollen Menschen an Bord und das wohl wichtigste, Gott die Ehre geben und die gute Laune, nur schwer in passenden Worten beschreiben kann.

Christoph Manz und Anja Jost, PC
Kippenheim

50 Jahre Posaunenchor Kippenheim

Im September 1950 wurde von Herrn Ewald Busse und Herrn Pfarrer Henschke der Gedanke geboren, in Kippenheim einen Posaunenchor zu gründen. Herr Busse war bereits etliche Jahre Bläser und Pfarrer Henschke hatte noch bei Posaunengeneral Pastor D. Johannes Kuhlo in Bethel das Blasen gelernt. Es musste zunächst Geld für die Instrumente besorgt und junge Männer für das Blasen gewonnen werden. Im Januar 1951 konnten die Proben beginnen. Nach nur 6 Monaten Zeit des Übens spielte der Chor erstmals am 29. Juli 1951 im Gottesdienst zum Ausgang das Lied „Gott ist die Liebe“. Aus diesem Anlass gab der Pfarrer der Gemeinde bekannt: „Der Posaunenchor hat sein Wirken ganz allein in den Dienst des Herrn und der Erbauung seiner Gemeinde gestellt. Aus dieser Haltung will sein Blasen ein ehrfürchtiger Ausdruck des Betens und Lobens der ganzen Gemeinde sein. Er will uns mit festlicher Freude erfüllen und die Ehre Gottes rühmen. Dazu wünschen wir all seinen Gliedern den Segen Gottes, dem sie dienen.“
Der Chor zählte bereits acht Mitglieder. In der Folgezeit mussten weitere Instrumente und Notenbücher beschafft werden. Diese wurden teils von den Bläsern selbst, durch private Spenden und durch Kollekten finanziert. Mittels einer „einmaligen Beutelsammlung“ konnte ein Helikon angeschafft werden. Schon bald war das Wirken des Chors nicht mehr auf den eigenen Kirchenraum beschränkt. Bereits 1952 spielte der Chor zum ersten mal  „auswärts“ in Kippenheimweiler anläßlich des 50-jährigen Kirchenjubiläums. Es wurde bei allerlei Anlässen wie Jugendtreffen, Sommerfest des Kindergartens, Krankenhausgottesdiensten, Geburtstagen und auch bei Beerdigungen geblasen. Im Oktober 1953 wurde der erste Gemeindeabend mit Bläservorträgen und Sketchen durchgeführt. Diese Gemeindeabende waren sicherlich ein wesentlicher Grund, daß man zu einer „Posaunenchor-Familie“ zusammenwuchs, denn bei den Sketchen und Theateraufführungen waren nicht nur die Bläser aktiv, sondern auch deren Angehörige und Partner.
1955 zählte der Chor bereits 13 Bläser und 3 Jungbläser. Etliche Bläser nahmen regelmäßig an den von der Landesposaunenarbeit angebotenen
Lehrgängen teil (eine Tatsache, die glücklicherweise bis heute anhält), so dass das bläserische Können des Chors sehr bald ein gutes Niveau erreichte. Die Probenarbeit wurde sehr ernst genommen, so kostete jede Minute zuspätkommen 2 Pf. und das unentschuldigte „Schwänzen“ einer Probe 1 DM. Ende der 50-er Jahre organisierte man erstmals eine Familienfreizeit im Jugendheim Geroldseck der Kirchengemeinde Lahr. Eine bereits seit 30 Jahren dauernde Partnerschaft verbindet den Chor mit der Kirchengemeinde Tränheim im benachbarten Elsass. Die bläserischen Höhepunkte waren und sind immer wieder die Festgottesdienste zu Weihnachten, Ostern und Konfirmation. Aber auch bei gelegentlichen Abendmusiken oder auch als Mitwirkende bei Konzerten von Musik- und Gesangsvereinen bringt der Chor sein breit gefächertes Repertoire von alter Bläsermusik, choralgebundenen Stücken, Volksmusik bis Gospel und Swing zu Gehör.
Man trifft sich aber auch zu Wanderungen, Skilanglauf oder Radtouren. Der Chor besteht heute aus 26 Bläserinnen und Bläser im Alter von 17 bis 62 Jahren. Acht Jungbläserinnen und Jungbläser sind derzeit in der Ausbildung.

Chorleiter Werner Siefert

Der Chor im Jubiläumsjahr